Unser Reitwein verdoppelt Mitgliederzahl

Nach langer Corona-Pause und dem erfolgreichen Protest Anfang Juni kam die Bürgerinitiative am Dienstag zum ersten Mal zusammen, um das Dorf über die neuesten Entwicklungen zu informieren und weitere Schritte zu planen.

Besonders erfreulich: Es waren nicht nur über 30 Mitglieder und Interessierte gekommen. Die Mitgliederzahl hat sich seit der Gründung vor drei Jahren glatt verdoppelt. Mit den neuen Beitritten seit Juni sind wir jetzt 36! Hinzu kommt ein Ehepaar, das uns auch ohne Mitgliedschaft mit Leidenschaft und Fachkompetenz unterstützt.

Zwei Vertreter des BUND-Landesverbands hatten die Bürgerinitiative bei ihrer Gründung beraten und sich schon damals beeindruckt gezeigt von der großen versammelten Fachkompetenz: Vier Juristen und Baurechtsexpertinnen prüfen rechtliche Aspekte. Eine Biologin und eine Bio- und Medizinchemikerin sind dabei. Dazu Vertreter aus der Reitweiner Landwirtschaft, dem Gemeinderat, Landbesitzer und Landfrauen, eine Journalistin und eine Immobilienfachfrau.

Gelände schon 2017 an Investor aus Niedersachsen verkauft

Reitwein hat es immer vermutet, lange gewusst und kann es endlich beweisen: Die Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH hat die Anlage nebst Grundstück schon im Jahr 2017 verkauft, die sie angeblich umnutzen will. Und das schon vor über drei Jahren! Sie hatte die Baugenehmigung für die Putenmast Ende 2016 beantragt und im Juni 2020 erhalten. Jetzt ist in der Verwaltung ein Kaufvertrag eingetroffen – datiert auf Januar 2017. Der Käufer: ein Investor aus Niedersachsen. Ein Skandal!

Die Gemeinde prüft nun ihr Vorkaufsrecht. Sie hat auch das Bauamt informiert. Das war der Aufforderung der Gemeinde, die Eigentumsverhältnisse zu ermitteln, im Baugenehmigungs- und Beteiligungsverfahren nicht nachgekommen.

Tagesthemen berichten über Reitweins Widerstand

Nach der großen Resonanz auf unsere Protestveranstaltung im Juni mit Berichten in der lokalen MOZ, im regionalen rbb und deutschlandweit im Deutschlandfunk, bekam Reitwein diese Woche Besuch von der Tagesschauredaktion. Der Bericht über den Widerstand des Dorfs gegen die geplante Putenmastanlage wird am Freitag, 24. Juli, ab 21 Uhr 45 in den Tagesthemen zu sehen sein.

OVG bestätigt Baustopp für Golzow

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat den Baustopp für die Hähnchenmastanlage mit mehr als 72.000 Tieren im benachbarten Golzow bestätigt. Die Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH hatte sie 2016 gemeinsam mit unserer Putenmastanlage und einer weiteren Hähnchenmast im nahen Sachsendorf beantragt. Ein Anwohner hatte Rechtsmittel gegen die Baugenehmigung eingelegt. Nun darf in Golzow nicht gebaut werden, solange die Gerichte sich mit den Argumenten gegen die Anlage beschäftigen.

Widersprüche aus der Nachbarschaft

Direkt nach der Erteilung der Baugenehmigung kam bei den Familien in der direkten Nachbarschaft ein Brief der Landwirtschaft Golzow an mit der Ankündigung: Es geht jetzt los mit dem Bau. Macht euch auf Lärm gefasst. Auf gute Nachbarschaft.

Viele Anwohner glauben nicht, dass die Putenmastanlage ihnen eine gute Nachbarin sein würde. Sie befürchten erhebliche Belastungen. Deshalb haben inzwischen nach der Gemeinde selbst auch mindestens sechs Reitweiner privat Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt.

Das Amt wird in den nächsten Wochen viele verschiedene Argumente zu prüfen haben und entscheiden müssen, ob die Baugenehmigung so richtig und rechtens ist.

Für ein lebenswertes Dorf, gegen Massentierhaltung!

Auf dem ehemaligen LPG-Gelände, wo heute der Storch nistet, soll nach dem Willen der Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH und dem Landkreis bald eine Mastanlage mit knapp 15.000 Tieren entstehen.

  • Unser Reitwein will Landwirtschaft und Tierhaltung in Reitwein, aber keine industrielle Massentierhaltung. Der Bürgerinitiative geht es darum, die eigene Dorfentwicklung aktiv mitzugestalten. Sie will die „Perle des Oderbruchs“ und die sie umgebende Natur auch langfristig für Tiere, Pflanzen und Menschen gesund und lebenswert erhalten.
     
  • Unser Reitwein schaut den Ämtern und Landwirtschaftsbetrieben genau auf die Finger, schafft Öffentlichkeit, informiert im Dorf und übt Druck auf die Politik aus.

Bauvorbereitungen – so schnell geht’s

Schon 2019, Monate vor der Entscheidung des Bauamts, tauchten auf dem Grundstück der ehemaligen Rinderanlage Baumaterialien auf. Jetzt, noch vor Ablauf der Widerspruchsfrist, brettern Lkw durchs Dorf. Anwohner zählen 30-40 Stück an einem Tag. Silos werden geleert, Material hin- und her bewegt und Tiere abtransportiert.

In den Monaten vor der Genehmigungserteilung hatte die Landwirtschaft Golzow den Bestand an Rindern noch einmal aufgestockt, um den Anschein zu erwecken, dass in der Anlage noch Viehhaltung betrieben wird. In den Jahren zuvor lag die Zahl der Tiere laut den Anwohnern an der Anlage nur noch bei etwa zwei Dutzend Stück Alibi-Vieh. Weit entfernt von den einst genehmigten und vorgesehenen vielen Hundert Rindern.

Jetzt sind alle Tiere weg und das Grundstück wird für den Umbau der Anlage vorbereitet. Die Ausschreibungen sind erfolgt.
Keine Zeit verlieren – Tatsachen schaffen.

Gemeinde widerspricht

Wegen Corona tagte der Gemeinderat kurzerhand im Park. So konnten alle Interessierten dabei sein. Bei der frisch genehmigten Putenmastanlage ist die Sache klar und unumstritten. Deshalb geht es ganz schnell: Am Dienstag, 23. Juni, beschließt die Gemeinde Reitwein – wie immer in dieser Angelegenheit einstimmig –, gegen die Genehmigung der Putenmastanlage Widerspruch einzulegen.